Die Phasen der Trennung

Die Wissenschaft beschäftigt sich seit langem mit der Psyche von Paaren in Trennung. Die Fachleute konnten dabei vier Phasen der Trennung herausarbeiten, die individuell ganz unterschiedlich lange andauern. Die Betroffenen sollten wissen, welche Phasen der Trennung es gibt und welchen Zweck sie haben. Das kann bei der Verarbeitung der veränderten Situation helfen. Jede dieser Phasen dauert etwa drei Monate.

Auch für die Meditation ist es wichtig zu wissen, in welcher Phase sich die Betroffenen befinden. Dann kann der Mediator oder die Mediatorin ganz gezielt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Ex-Partner eingehen. Denn erst wenn die Trennung akzeptiert und zu einem gewissen Grad verarbeitet ist, lassen sich die dann noch bestehenden Konflikte gemeinsam lösen.

Phase 1: Leugnen oder Verdrängen der Trennung

Der Partner, der verlassen wurde, reagiert meist geschockt auf die Trennung und will sie nicht wahrhaben. Er fühlt sich innerlich leer, hilflos und ohnmächtig. Mitunter hegt er auch die Hoffnung darauf, sich mit seinem Ex-Partner wieder zu versöhnen.

Eine Mediation in dieser Phase der Trennung sollte gleich zu Beginn die Ziele abstecken. Den Betroffenen muss klar sein, dass die Mediation nicht die Paarbeziehung kitten kann. Das wird der Mediator oder die Mediatorin auch von Anfang an sagen. Anderenfalls könnten die Betroffenen mit falschen Erwartungen in die Mediation gehen.

Grundsätzlich gilt: Eine Mediation ist keine Paartherapie. Mediation ist vielmehr die Möglichkeit, um die Folgen der Trennung gemeinsam zu regeln.

Ein erfahrener Mediator wird erkennen, ob es für eine Mediation vielleicht noch zu früh ist. Auch kann eine Therapie parallel zur Mediation hilfreich sein.

Phase 2: Akzeptieren der Trennung

Wenn die Partner erkennen, dass die Beziehung vorbei ist, treten sie in die nächste Phase ein. Jetzt brechen Gefühle auf, die mehrheitlich als negativ empfunden werden. Hierzu gehören Schmerz, Wut, Trauer, Verzweiflung, Einsamkeit und Überforderung.

Die Betroffenen machen sich häufig Selbstvorwürfe und geben sich die Schuld am Scheitern der Beziehung. Es plagen sie Selbstzweifel, die bis zur Selbstabwertung reichen können. Um den unangenehmen Zustand der „Schwäche“ und die Angst vor dem Alleinsein zu verdrängen, reagieren manche Betroffene auch mit Verbitterung oder Hass. Die Vorwürfe richten sich dann fast immer gegen den (Ex-) Partner. Rachelust keimt auf.

In dieser Phase sind die meisten Menschen nicht bereit, eine Mediation in Betracht zu ziehen oder sich zu einem Mediationstermin zu begeben.

Phase 3: Entdecken der eigenen Stärken

Nach dem Gefühlschaos kommt eine Zeit, in der sich die Partner neu orientieren. Sie sind jetzt in der Lage, zu ihren alten Ressourcen zurückzukehren. Die Betroffenen erkennen, dass die gegenseitigen Vorwürfe ihnen nicht weiterhelfen. So wird die Trennung als Lösung zur Veränderung eines alten Zustands akzeptiert.

Es entwickelt sich ein neues Selbstwertgefühl, aus dem sich neue Perspektiven ergeben. Den Betroffenen gelingt es Stück für Stück, den Ex-Partner loszulassen. Die Sehnsucht nach seiner Liebe und der guten alten Zeit nimmt ab. Gefühle wie Wut oder Hass treten nur noch selten auf.

Dieser Moment ist ideal, um mithilfe einer Mediation offene Fragen zu klären. Die Betroffenen haben ihre Stärken (wieder) entdeckt und können durch eigenverantwortliches Handeln ihre Zukunft gestalten.

Phase 4: Abschied und Neuanfang

Die Betroffenen haben inzwischen zu einem neuen Lebenskonzept gefunden. Sie kennen die Gründe für die Trennung und können sie als Teil ihrer Geschichte akzeptieren. Jetzt entsteht ein inneres Gleichgewicht, das ein erfülltes Leben als Single ermöglicht oder auch schon eine neue Partnerschaft zulässt.

Auch in dieser Phase ist Mediation eine gute Möglichkeit, sich über streitige Punkte zu verständigen. Das gilt insbesondere für komplexere Fragen, die durch vorangegangene Gespräche mit und ohne Hilfe Dritter bislang nicht bearbeitet werden konnten.