Mediation ist ein Verfahren, das zur Beilegung von Konflikten entwickelt wurde. Es basiert auf den vier Grundprinzipien des Harvard-Konzepts. In den 1970er Jahren gewann die Mediation als Alternative zu den oft langwierigen und kostspieligen Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten immer mehr an Bedeutung. Doch Bemühungen zur Vermittlung und Schlichtung gab es schon lange davor.

Wir geben Ihnen einen Überblick über die „Vorgeschichte“ der Mediation.

Vermittlung bei Konflikten in der Bibel

In der Bibel gibt es an mehreren Stellen Hinweis auf die Vermittlung unbeteiligter Personen, die bei der Lösung von Konflikten geholfen haben. So hat zum Beispiel der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief den Gemeindeangehörigen empfohlen, ihre Konflikte ohne Anrufung eines Richters selbst zu lösen; am besten, indem sie dafür einen unbeteiligten Dritten einbinden (Korinther 6,1-4).

Weitere Belege dazu finden sich in Matthäus (5,9) und I. Timotheus (2,5).

Konfliktlösung in der fernöstlichen Tradition

China kann auf eine Jahrhunderte alte Tradition der Versöhnung und Vermittlung zurückblicken. Im chinesischen Kulturraum spielt vor allem die Schlichtung eine wichtige Rolle. Denn sie ist für die Wiederherstellung der Harmonie unter den Bürgern notwendig.

Die Einleitung eines offiziellen Gerichtsverfahrens kann im Gegesatz dazu als Beleidigung des Gegenübers verstanden werden. Das würde zum Gesichtsverlust beider Parteien führen und sollte deshalb immer vermieden werden.

Eine „Streitkultur“, wie sie sich in den westlichen Kulturen etabliert hat, findet sich auch in Japan nicht.

Allgemein lässt sich die geringe Dichte an Anwälten im ostasiatischen Raum wahrscheinlich auf die fernöstliche Geisteshaltung zurückführen: Versöhnung und Vermittlung sind dort ein sehr hohes Gut.

Erste Vermittlungsversuche in Europa

Für Deutschland kann als erstes dokumentiertes Beispiel für eine gelungene Mediation der Westfälische Friede von Münster und Osnabrück genannt werden. Mehrere kirchliche und weltliche Vertreter haben im Jahre 1648 zwischen den Kriegsparteien vermittelt und dadurch eine Einigung herbeigeführt. Unter den knapp 150 Gesandten der jeweiligen Parteien gab es auch zwei neutrale Vermittler.

Dies erinnert an die heute praktizierte Form der Mediation bei politischen Großprojekten und komplexen Prozessen. In solchen Großmediationen vermittelt häufig ein Team von Mediatoren zwischen den verschiedenen Gruppen mit unterschiedlichen Interessen.

Schlichtung und Versöhnung in Amerika

In Amerika sind die Quäker seit dem 17. Jahrhundert bekannt für ihre Vermittlungs- und Schlichtungsverfahren. Grundlage dafür ist die „Friedenstheologie“, nach der sich die Gemeinde zum Beispiel für das Ende der Sklaverei und die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzt.

Das „Jüdische Versöhnungskommité“

1920 wurde in New York das „Jüdische Versöhnungskommité“ eingerichtet, das auf dem „Jüdischen Religionsgericht“ beruht. Dieses wurde schon von den alten Hebräern zur Versöhnung und Vermittlung zwischen streitenden Parteien genutzt.